| |
:Presse
Interviews/Portraits:
Jazzpodium
05/2010»
Alexander
Schmitz 03/2010»
Alexander
Schmitz im Jazzpodium 12/2005 »
Andi
Polte von Archtop-Germany 07/2005 »
CDs:
alle
Rezensionen zur Solo-CD "Alone" »
alle
Rezensionen zur Duo-CD "Eternally" (Chaplin) »
alle
Rezensionen zur Quartett-CD "Peace of Mind" »
alle
Rezensionen zur Duo-CD "Meeting Mr. Rodgers" »
Hier die Kritiken zur neuen Trio-CD "Departure":
Konzertkritik im Südkurier Konstanz
(27.03.2010)
Kultivierte Klanglandschaft
Manfred Junker und „Journey Within“ stellten ihre neue CD
vorUnter dem Bandnamen „Journey Within“ hat der Konstanzer
Gitarrist Manfred Junker im vergangenen Jahr eine neue Gruppe zusammengestellt
und auch bereits eine CD vorgelegt – immerhin die neunte unter eigenem
Namen. Mit dabei sind der bewährte Stammschlagzeuger Matthias Daneck
und neu am Bass Arne Huber. Allesamt sind sie mit allen Wassern gewaschene
Musiker, die fest in der Jazzszene verankert sind.
Dass Besetzung und Konzept der Band aufgehen, ist schon auf der CD zu
hören, live konnte das Konstanzer Publikum die Gruppe im K9 erleben.
Die Reise im Inneren geht hier erst mal mit der Abfahrt, „Departure“,
los, was jedoch keineswegs heißt, dass Junker sich mit der neuen
Formation von guten Tugenden verabschiedet. Weiterhin horcht er sehr aufmerksam
in die Jazztradition hinein und bringt die Echos auf die Bühne. Der
kultivierte Stil bleibt auch im neuen Projekt erhalten.
Obwohl, wenn man so darüber nachdenkt . . . In Stevie Wonders berühmtem
„Superstition“ beispielsweise treibt es Junker rotzig und
rockig. Hier geht es für einige Minuten im besten Wortsinne unkultiviert
zu, mit einem Groove, der direkt in die Beine geht. Danecks Schlagzeug
steuert dazu den funky Beat bei. Doch dieser Song ist der einzige –
wenn auch lohnende – Ausreißer in dem Programm.
Ansonsten präsentieren die drei Herren sehr sorgfältig gestaltete
und intelligent arrangierte Stücke in der besten Songtradition. Die
interessanten Elemente sind hier nicht im Höher, Schneller, Lauter
zu finden, sondern in den Feinheiten, die ein eigentlich harmloses Stück
zu einer abwechslungsreichen Klanglandschaft machen. Junkers flüssiger
Stil ist für das Repertoire aus hauptsächlich klanglich und
melodiös orientierten Songs hervorragend geeignet. Und was die sorgfältige
Gestaltung angeht, stehen die Sidemen Junker in nichts nach. Daneck gestaltet
die Rhythmen sehr plastisch, und auch Huber ist an der Melodiefront sehr
kreativ unterwegs, umspielt die Themen in seinen Soli mit gekonnter Akzentuierung.
Stephan Freissmann
Andreas Polte auf www.archtop-germany.de
(03/2010):
Druckvoller und kräftiger, das ist gleich der
erste Eindruck beim Anhören von Junker’s neuem Trio. Weniger
lyrisch und boppiger. Wie man dazu steht, ist erst mal egal, es tut dem
Image von Manfred Junker auf jeden Fall gut, nach mehreren eher ruhigen
CDs nun etwas Lebhafteres zu veröffentlichen… und das kann
er sehr gut! Dabei bleibt Junker seinem Konzept aus einer Titelmischung
von Standards, Eigenkompositionen und verjazzten Popsongs treu; gerade
letztere mit Überraschungsfaktor. Es eine erfrischend und sehr intelligent
eingespielte Trio-CD, in die man auf jeden Fall mal reinhören sollte…
Schwäbische Zeitung (06.03.2010)
„Manfred Junker's journey within" ist die
neunte (!) CD des Leutkircher/Konstanzer Gitarristen untertitelt. Es ist
eine abwechslungsreiche Reise, auf der sich Junker zusammen mit dem Bassisten
Arne Huber und dem Drummer Matthias Daneck begibt. Das famose Trio bringt
neu arrangierte Stücke von Cole Porter, Stevie Wonder, Kurt Weill,
Billy Strayhorn, lotet auch „Norwegian Woods" von den Beatles
noch einmal intim aus. Eine Tour ins letzte Jahrhundert, poetisch-virtuos,
Manfred Junker eben. Dazu kommen Kompositionen von Junker, besonders schön
„Dream", bei dem er Erinnerungen an wilde Rock-Zeiten weckt.
Subtil und sensibel ist das, intelligent, ohne verkopft zu sein.
Bernd Guido Weber
Südkurier Konstanz (13.02.2010):
Nachdem der Konstanzer Gitarrist Manfred Junker zuletzt
die Reduktion auf die Spitze getrieben hat – vergangenen Herbst
veröffentlichte er die exquisite Solo-Scheibe „Alone“
– startet er jetzt mit dem Trio „Journey Within“. Ganz
der mit dem Bandnamen gewählten Metapher verpflichtet, heißt
die erste gemeinsame CD der Gruppe „Departure“ – Junkers
neunte Veröffentlichung unter eigenem Namen in dreizehn Jahren. Den
Titel darf man allerdings nicht dahingehend verstehen, dass hier ein radikaler
Bruch mit der bislang von Junker gepflegten Klangästhetik stattfinden
soll. Im Gegenteil, Journey Within geht von dem aus, was schon immer Junkers
Stärke war, exquisiter straight ahead-Gitarrenjazz. Und straight
ahead ist hier im besten Sinne des Wortes gemeint. Hier wird ohne Umwege
gespielt, in einer direkten Art, die den Hörer nie im Unklaren lässt.
Herausgekommen ist ein Album mit sechs Originals des Bandleaders und einer
sehr persönlichen Auswahl von fünf Songs aus Jazz- und Popmusik.
Geschwätzigkeit oder Kraftmeierei haben die drei Herren – neben
Junker agieren Arne Huber am Kontrabass und Matthias Daneck am Schlagzeug
– nicht nötig. Selbst in temperamentvollen Nummern wie Stevie
Wonders berühmtem „Superstition“, das nicht zuletzt durch
Daneck eine beständig vibrierende Energie ausstrahlt und einen unwiderstehlichen
funky Drive entwickelt, geht es fett ab, ohne dass dick aufgetragen würde.
Speziell in den Original-Kompositionen ist der Zugriff teils ziemlich
rockig, ohne die Feinheiten zu überdecken.
Der Sound ist direkt und urban, mit perfektem Timing in den Saiteninstrumenten,
so in „It Will Do Tomorrow“ oder „Dream“. Dass
sie auch das lyrische Fach beherrschen, demonstriert das Trio am besten
in Billy Strayhorns Standard „Lotus Blossom“ oder Junkers
intimem „Time and Tide“, in dem Huber ein sehr poetisches
Solo spielt. Was verträumt daherkommt, ist in Wirklichkeit das Ergebnis
von höchst kontrollierter und sorgfältiger Arbeit an jedem einzelnen
Ton.
Besonders sympathisch an der neuen Scheibe ist die makellose Teamarbeit
zwischen den drei Musikern. Nicht selten fragt man sich beim Anhören,
wer nun gerade die Leadstimme hat, feste Rollenverteilungen gibt es nicht.
So stellt öfters der Bass das Thema vor, während die Gitarre
in die Begleitfunktion wechselt, oder Junker begleitet sich im mehrstimmigen
Spiel gleich selbst. Die drei Musiker nutzen virtuos die Möglichkeiten
der instrumentalen Zusammenstellung und es ergeben sich vielseitige Choreographien
im Stimmengeflecht. So haben alle drei Akteure ihren essentiellen Anteil
an einer CD voller wunderbar gestalteter Songs.
STEPHAN FREISSMANN
Gitarre&Bass (Heft 1/2010) :
Nach seinem Solo-Album ist der Jazz-Gitarrist aus Konstanz
jetzt wieder mit Band zu hören, mit dem extrem swingenden Arne Huber
am Kontrabass und Matthias Daneck, einem Schlagzeuger, der anscheinend
ganz genau weiß, was Trio-Gitarristen beim Singlenote-Solo brauchen:
Dichte, Flächen, Intensität, Drive und Pulse.
Manfred Junker, ein Musiker, der die Jazz-Tradition kennt und anscheinend
Jim Hall, Larry Coryell, Martino, Scofield & Co. ausgiebig studiert
hat, spielt Gitarren von Joe Striebel – Archtops und Nylonstrings.
Sein breites Ausdrucksrepertoire eröffnet sich bei genauerem Zuhören:
straight ahead Jazz, Funk, Folk, klassische Anleihen, etwas Blues &
Soul ... und immer sehr sensibel dosiert. Ein weiteres gelungenes Album,
das über www.manfredjunker.com bestellt werden kann.
Alexander Schmitz 01/2010 auf
Agas:
Nichts für kleine Jungs
Nach zwei Quartett-, zwei Duo- und - erst im letzten
Jahr - einer ersten Solo-CD kommt der Konstanzer Manfred Junker nun in
neuer Formation, nämlich im Trio als Manfred Junker's journey within.
Wieder dabei ist (der hier vergleichsweise zurückhaltend arbeitende)
Drummer Matthias Daneck, während Arne Huber am Bass vor allem im
letzten Drittel ausreichend Raum bekommt, sich vorzustellen als der ideale
Verbindungsmann zwischen Melodie und Rhythmus.
Der CD-Titel macht erst mal stutzig, dann neugierig:
"Departure" [factory outlet records 1001]. Departure? Abfahrt?
Abreise? Abreise von wo und wohin? Ausgangspunkt? Wozu?
Falls überhaupt, dann wohl eher Letzteres, ein Neustart, ein relaunch,
wie das heute so schön auf Neudeutsch heißt. In Junker-ge-
und -verwöhnten Ohren nimmt sich das neue Album allerdings eher aus
wie eine breit angelegte Werkschau, eine dezent-opulente Bestandsaufnahme,
sehr wohl aber auch als ein nachdrückliches Unterstreichen der zentralen
Junkerschen Botschaft, nicht festlegbar zu sein und es auch nicht sein
zu wollen. Wie auch immer: Manfred ist und bleibt ein Jazzgitarrist, und
was er mit seinen sensiblen Fingern anrührt, wird nun mal zu Jazz,
auch wenn man gelegentlich auf konservativere Puristen treffen mag, die
unseren Freund in ihrem eher traditionellen Sinn für nicht ganz lupenrein
in seiner Linientreue halten. So etwas allerdings lässt sich durch
nichts weiter stützen als die triviale Tatsache, dass man Manfred
vielleicht nicht anhören sollte, wenn man einen all zu schmalen oder
gar dogmatischen Jazzbegriff kultiviert, der sich zur Legitimation immer
ausschließlich auf das Erbe der jazzgitarristischen Mainstream-Tradition
stützt.
"Departure" ist also eine Rundreise oder
eben der Beginn einer solchen, und agas wird Manfred im bevorstehenden,
fürs Frühjahr eingeplanten Interview sicherlich dazu auch befragen.
Jedenfalls haben wir es nach unserer Einschätzung mit einem Trip
zu tun, in dem so ziemlich der "ganze Junker" steckt. Und so
geht es gleich mit einem Cole-Porter-Hardbopper los, der bestimmt jedes
Jazzer-Herz erfreuen wird, erforscht dann in der Eigenkomposition "It
Will Do Tomorrow" mit etwas härterem, spitzeren Ton neues Terrain
links und rechts von der Hauptstrecke, geht Steve Wonders "Superstition"
deutlich funky an und führt weiter in Latin- Gefilde mit dem eigenen
"Time and Tide". Der schöne Beatles-Hit "Norwegian
Wood" stellt den Bass schon im Thema heraus, und dann geht's mit
"Mack the Knife" schnurstracks hinüber in die Postmoderne,
die vor allem eines ist: eine Überprüfung, ein Tauglichkeitstest
der Moderne auf ihre Fähigkeit, Gegenwart zu reflektieren.
Manfreds wieder eigenes "Problem to All My Answers" –
ein Titel nicht ohne Witz und Hintersinn - ist das substanzielle Zentrum
des Albums, eine Art Schnelldurchlauf , der in gewisser Weise an Quincy
Jones' "Guitar Odyssey" erinnert, nur dass Letztere eine historische
Kurzlektion bot, während Manfreds Stück die eigene stilistische
Bandbreite offen zur Begutachtung auslegt. Es folgen zwei weitere Junkers,
der eine gemäßigt experimentell und erster richtiger Showcase
für Bassist Arne, der zweite eine Ballade, deren Thema unmittelbar
aus den Akkorden heraus entwickelt wird. Dann gibt's noch einen Strayhorn
vor allem für den Bass, und zum Schluss Manfreds "Is That So?"
mit ganz einfachem Thema und ganz komplexen Folgen.
Höhen dominieren, der helle, "offene",
elektrische Sound, der historisierende, ergo: stilistische Festlegungen
nicht recht zulassen will. Und wie immer bei Manfred Junker klingt auch
das Trio sehr "nah", sehr dicht, sehr kompakt. Kurz: Trio at
its very best und eine mit fliegenden Fahnen bestandene Prüfung.
Denn merke: Trio ist nun mal nichts für kleine Jungs.
|